Ist die heutige Tora die gleiche wie die Tora zu Mohammeds Zeiten?
Da wir in den vorherigen Artikeln (War die Tora zu Mohammeds Zeit verfälscht?, siehe auch Lehrt der Quran, dass die Tora verfälscht wurde?) festgestellt haben, dass die Tora des 7. Jahrhunderts zuverlässig war (oder zumindest drei große Abschnitte daraus), lautet nun die alles entscheidende Frage: Können wir wissen, wie der Text dieser Tora aussah? Wenn wir das nicht wissen können, ist alles, was wir bisher besprochen haben, von keinerlei Bedeutung. Denn man könnte ja sagen: „Ja – die Tora zu Mohammeds Zeiten war unversehrt, aber die Menschen haben sie nach seiner Zeit verfälscht! Das würde immer noch bedeuten, dass wir heute eine verfälschte Tora haben.“
Um zu wissen, wie die unverfälschte Tora aussieht, müssen wir Abschriften der Tora haben, die entweder aus der Zeit Mohammeds oder von davor stammen. Wenn wir solche Abschriften hätten, würden wir den Text kennen, dem Mohammed vertraut hat, und dem somit auch wir vertrauen können. Wir fragen also: Haben wir solche Abschriften?
Im Jahr 1947 machten zwei Beduinen-Hirten die vielleicht größte archäologische Entdeckung des 20. Jahrhunderts. In einer Höhle in der hügeligen Region des Westjordanlandes nahe dem Toten Meer fanden sie alte hebräische Manuskripte der heiligen, jüdischen Schriften, die aus der Zeit um 870–550 v. H. stammen (~ 250 v.Chr. - 70 n.Chr.); also mehrere hundert Jahre vor Mohammed). Diese Manuskripte, bekannt als die sogenannten Schriftrollen vom Toten Meer (siehe Abbildung 1 unten), enthalten auch Teile der Tora. Nach dem ersten Fund entdeckten Archäologen in nachfolgenden Jahren zahlreiche weitere Abschriften der Tora, die zusammengenommen einen Großteil der gesamten Tora abdecken.
Archäologen haben auch vollständige Manuskripte der griechischen Übersetzung der Tora gefunden, die auf mehrere Jahrhunderte vor Mohammed datiert werden. Darüber hinaus wurden frühe Abschriften der syrischen Übersetzung der Tora gefunden. Diese Manuskripte werden in etwa auf die Lebenszeit Mohammeds oder davor datiert.
Wenn wir all diese Manuskripte der Tora miteinander vergleichen, die lange vor Mohammed, zu Mohammeds Zeit und einige Jahrhunderte nach Mohammed verfasst wurden, stellen wir fest, dass sie sich bemerkenswert ähnlich sind (siehe Abbildung 2 unten). Obwohl es einige geringfügige Unterschiede gibt, lässt sich die überwiegende Mehrheit dieser Unterschiede leicht durch den Kopier- und Überlieferungsprozess erklären und beeinträchtigt keine theologischen oder wesentlichen historischen Aussagen der Tora. Dies zeigt, dass die jüdischen Schreiber den Text mit unglaublicher Präzision bewahrt haben.1
Da unsere modernen Übersetzungen der Tora ins Deutsche (und in alle anderen Sprachen) auf den in Abbildung 2 gezeigten Manuskripten basieren, können wir heute eine Tora lesen, die den Text derjenigen Tora widerspiegelt, auf den Mohammed im 7. Jahrhundert verwies. Es ist genau die Tora, die der Quran so oft bestätigt.
Wie bereits in unserem Einführungsartikel erwähnt, verweist der Quran auf die Tora, um zu zeigen, dass er von Gott kommt und Mohammed ein wahrer Prophet ist. Sure 12:111 zeigt dabei eine Möglichkeit auf, wie der Quran die Tora bestätigen und beweisen sollte, dass Mohammed wahrhaftig von Gott gesandt wurde:
لَقَدْ كَانَ فِى قَصَصِهِمْ عِبْرَةٌۭ لِّأُو۟لِى ٱلْأَلْبَـٰبِ ۗ مَا كَانَ حَدِيثًۭا يُفْتَرَىٰ وَلَـٰكِن تَصْدِيقَ ٱلَّذِى بَيْنَ يَدَيْهِ وَتَفْصِيلَ كُلِّ شَىْءٍۢ وَهُدًۭى وَرَحْمَةًۭ لِّقَوْمٍۢ يُؤْمِنُونَ
In ihren Geschichten [= Geschichten der Propheten] ist wahrlich eine Lehre für diejenigen, die Verstand besitzen. Es ist keine Aussage, die ersonnen wird, sondern die Bestätigung dessen, was vor ihm war, und die ausführliche Darlegung aller Dinge und eine Rechtleitung und Barmherzigkeit für Leute, die glauben.
– Sure Yusuf 12:111 –
Hier sagt der Quran, dass er die Tora sogar in den Einzelheiten der Prophetengeschichten bestätigt. Wenn wir also die Geschichten im Quran mit denselben Geschichten in der Tora vergleichen, sollten wir erwarten, dass sie bis ins Detail übereinstimmen oder sich zumindest nicht widersprechen. Wenn sie übereinstimmen, beweist dies, dass Mohammed ein wahrer Prophet ist. Dass er die Einzelheiten der Geschichten kannte, ohne die Tora lesen zu können – da er Analphabet war –, würde zeigen, dass er dieses Wissen durch göttliche Offenbarung erhalten haben muss. Daher werden wir im nächsten Artikel die „schönste der Geschichten“ zwischen beiden Büchern vergleichen – die Geschichte von Yusuf.
Footnotes
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Dieselben Manuskripte, die in Abbildung 2 gezeigt sind, enthalten nicht nur die Tora, sondern auch das Zabur. Ein Vergleich der Manuskripte des Zaburs aus den verschiedenen Jahrhunderten liefert dasselbe Ergebnis wie für die Tora: Die Texte stimmen überein. Dies zeigt, dass im Laufe der Zeit nicht nur der Text der Tora, sondern auch der Text des Zaburs getreu überliefert wurde. ↩